Flüchtlingsarbeit stellt sich vor

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Bereits seit die ersten Flüchtlinge in Bad Eilsen angekommen sind, steht den Hilfesuchenden eine Gruppe ehrenamtlicher Helfer zur Seite. In der Tageszeitung und auch im Gemeindebrief wurde bereits darüber berichtet. Mittlerweile stößt die Flüchtlingsunterstützergruppe (FLUG) jedoch an ihre Grenzen und sucht nun dringend Helfer.

Als Vertreter der Gruppe schildern Christa Rinne, Gerti Kern und Waltraud Otto der Gemeindebriefredaktion ihre Probleme.

 

Gerti Kern: Wir sprechen immer von Integration, aber wirklich zu spüren ist davon wenig. Was uns wirklich nervt, ist die Tatsache, dass immer gesagt wird, was wir als Deutsche alles leisten. Ja, wir nehmen die Flüchtlinge auf, sorgen für das Nötigste: sauber, satt, trocken – und dann hört es auf. Aber genau da darf es nicht aufhören! Die Flüchtlinge brauchen wie alle anderen Menschen auch, soziale Kontakte und menschliche Nähe. Die meisten sind dazu verurteilt in ihrer Unterbringung zu sitzen und zu warten. Sie sind sich selbst überlassen, isoliert und hätten aber einen Nachbarn so nötig!

Auf der anderen Seite sitzen etliche deutsche Mitmenschen ebenfalls zu Hause, vor ihren Fernsehern, regen sich über das Flüchtlingsproblem auf und schimpfen. Wir fragen uns immer, was ist da los? Wo ist das Problem?

Warum fällt es so vielen schwer, auf die Flüchtlinge zu zugehen?

 

Waltraud Otto: Wenn wir so über unsere Arbeit erzählen, gibt es eine Menge Menschen, die sagen zu uns: Ist ja toll, was ihr da alles macht für die Flüchtlinge! Sie finden es richtig gut, kommen aber nicht auf die Idee, selber einmal mit aktiv zu werden.

Christa Rinne: Sicherlich gibt es Berührungsängste, aber die werden nicht weniger, indem man den Kontakt meidet.

Waltraut Otto: Wir freuen uns riesig, dass z.B. die Kitas sehr unbürokratisch bereit sind, die Flüchtlingskinder mit aufzunehmen, so das die Kleinsten wenigstens dort Kontakte haben. Auch diejenigen, die inzwischen zur Schule gehen, haben da ja Berührungspunkte mit anderen Kindern. Aber so bald sie zu Hause sind, passiert nichts mehr. Es finden keine gegenseitigen Besuche oder Verabredungen der Kinder statt. Dabei wäre genau das so wichtig für die Kleinen, um das Dorf, die Gemeinschaft, die deutsche Gesellschaft und auch die Sprache besser kennen zu lernen. Es wäre so gut, wenn junge Familien den Mut hätten den Kontakt zu suchen.

Christa Rinne: Zurzeit sind etwas 100 Flüchtlinge in Bad Eilsen untergebracht. Davon leben ca. 14 Personen im Haus Berlin, die restlichen sind auf Einzelwohnungen verteilt. Wir möchten natürlich so gut es geht, den Flüchtlingen ein Zeichen geben, dass es uns gibt, ihnen mitteilen, wobei wir helfen können und dass sie uns bei Bedarf ansprechen können. Aber dadurch, dass die Leute über ganz Bad Eilsen und Heeßen verstreut sind, ist das für uns paar Leute eine große Aufgabe, bei der wir dringend Unterstützung brauchen.

Gerti Kern: Wer neugierig ist und es einfach einmal wagen möchte Flüchtlinge kennen zu lernen, ist bei und herzlichst willkommen. Wir können jede Form von Hilfe gebrauchen: Es kann ein einmaliger Besuch in einer Familie sein, ein Spaziergang im Kurpark oder einfach ein Gespräch beim Café International. Niemand wird hier zu etwas verpflichtet! Aber es kann wirklich eine Chance für beide Seiten sein, den Kontakt zu uns und zu den Flüchtlingen zu suchen.

Waltraut Otto: Mittlerweile sind nur noch wenige Flüchtlinge aus dem Balkan bei uns. Die meisten kommen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und ein paar wenige aus Tschechien. Da das erste und größte Ziel ist, die Flüchtlinge beim Erlernen der deutschen Sprache zu helfen, geben wir zusätzlich zum Regelunterricht dienstags und donnerstags von 15-16Uhr eine Stunde Nachhilfeunterricht Deutsch. Auch dort benötigen wir dringend Unterstützung und würden uns riesig über Hilfe freuen. Wichtig: hierzu muss niemand die Qualitäten eines Lehrers haben. Auch wir reden manchmal mit Händen und Füssen.

Fazit:

Obwohl der Flüchtlingsstrom weniger geworden ist, sind noch immer viele Hilfesuchende unter uns. Es ist sehr schwer, die älteren Flüchtlinge in einem Beruf einzugliedern. Umso wichtiger ist es, dass wenigstens die Kinder mitgenommen werden, damit wir nicht unbewusst eine Generation heran ziehen, die perspektivlos herum hängt, ohne Anschluss und ohne Zukunft. Eine Aufgabe die in einer größeren Gemeinschaft sicherlich zu schaffen wäre.

Vielen Dank für das Gespräch.

Anja Hillmann

Autor:Diakon Ingmar Everding