„Küssen verboten?“

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Schon weit vor unserer Zeitrechnung wurde in der Bibel geküsst und dazu aufgefordert. Ein Kuss, was ist das überhaupt? Ein Kuss ist uns so vertraut, wie Händeschütteln. Aber was ist das für ein Phänomen wo kommt der Kuss her? Wir haben ein wenig in Büchern geforscht und festgestellt, die Wissenschaftler streiten sich noch heute, welchen Ursprung der Kuss hat – da gibt es die wildesten Theorien. Sicher ist aber, sobald sich zwei menschliche Lippenpaare berühren, senden Abertausende von Nervenzellen im Bruchteil einer Sekunde Botschaften an unser Gehirn und unseren Körper. Ein Kuss kann in unserem Körper ein Signalfeuer der Nerven auslösen. Es gibt viele unterschiedliche Küsse freundliche, leidenschaftliche, flüchtige, intensive und langweilige… Aber egal um was für einen Kuss es sich handelt, egal wohin wir uns küssen, auf die Stirn, die Lippen, die Hände oder selbst die Füße – bei einem Kuss fühlen wir etwas.

Wer von Euch sich an seinen ersten Kuss erinnern? Ich bin mir ziemlich sicher, an den allerersten Kuss wird sich keiner von uns bewusst erinnern, obwohl wir ihn alle mit ziemlicher Sicherheit bekommen haben: Mein Sohn war keine 10 Minuten alt, als man ihn mir in die Arme legte und ich ihm ganz vorsichtig einen Kuss auf seine wenigen Haare gedrückt habe. Der allererste Kuss, zwischen Mutter und Kind oder Vater und Kind beinhaltet weit mehr, als eine Reaktion der Nervenzellen im Gehirn. Der erste Kuss dem man seinem Baby gibt, beinhaltet eine unermessliche Dankbarkeit, dass man es geschafft hat, dieses Baby zur Welt zu bringen, ein „Hallo“ hier bin und ein Versprechen, dass man von dieser Sekunde an, da sein wird für diesen kleinen Menschen, ein Leben lang. Wenn wir Glück haben begleiten uns mütterliche und väterliche Küsse durch die ganze Kindheit. Küsse können bei Kindern Tränen trocknen und Schmerzen wegzaubern, Trost und Geborgenheit spenden.

Wie schlimm mag es da sein, wenn man eine Kindheit ohne Küsse durchleben muss? Wie verlassen mögen sich im letzten Jahr die vielen todkranken mit dem Ebola-Virus infizierten Kinder gefühlt haben, die auf gar keinen Fall in den Arm genommen geschweige denn geküsst werden durften. Als ich ein Kind war kam meine Mutter jeden Abend an unsere Betten, hat uns zugedeckt, mit uns gebetet und uns einen Kuß gegeben. An einigen Tagen, hat sie es einfach vergessen. Wenn das passierte, lag ich immer eine Ewigkeit wach im Bett, unfähig die Augen zu schließen, an Schlaf ohne den Gute-Nacht-Kuß meiner Mutter war nicht zu denken. Wie überstehen Menschen und insbesondere Kinder es, wenn ihnen durch Krankheit o.ä. der Kuss des Vaters oder der Mutter oder eines anderen geliebten Menschen verwehrt bleibt? Auf der anderen Seite können familiäre Küsse auch sehr lästig sein. Vielleicht haben manche von euch auch solch eine Situation erlebt, wo die alte Tante mit ausgestreckten Armen auf einen zu kam und rief „da ist sie ja die Kleine! Hast Du denn auch ein Küsschen für Deine Tante?“ und ehe man sich wehren konnte, drückte diese Frau mit Warze an der Nase und 3 langen Haaren am Kinn. Eine Person, die man eigentlich ganz schrecklich fand, einem einen fürchterlich langen, feuchten Kuss auf.Manche Küsse, die sind einfach nicht schön…

Wenn man älter wird gibt es die ersten richtigen Abschiedsküsse. Wenn man das Elternhaus verlässt, ein Familienmitglied stirbt oder wenn man für lange Zeit ins Ausland geht und weiß man wird seine Familie und Freunde lange nicht wieder sehen. In so einen Abschiedskuss legen wir manchmal unser ganzes Herz. Ohne Worte geben wir einander ein Zeichen, dass wir uns trotz „Lebewohl“ nicht vergessen. Wortlos erhalten wir das Versprechen „Wir sehen uns wieder!“ Ein Abschiedskuss besiegelt tiefe Zusammengehörigkeit.

Wie absolut notwenig ist da der Willkommenskuss: Sei es das man, die heimatliche Erde mit den Lippen berührt oder die Angehörigen vor Freude abküsst. Obwohl eine innige Umarmung auch dazu gehört, darf in solchen Momenten des Wiedersehens der Kuss eigentlich nicht fehlen. Dieser Kuss der unbeschreiblichen Freude und Erleichterung.

Es gibt nicht viele Dinge in unserem Leben, die mit soviel Gefühl zu tun haben, wie ein Kuss. Deswegen erstaunt es, wenn man hört, dass in manchen Ländern das Küssen, so wie wir es kennen, wirklich per Gesetz verboten ist. In den USA gibt es in unterschiedlichen Bundesstaaten sehr skurrile Kussverbote. So ist es z.B. in einem Ort, im Bundesstaat Kaliforniern Bartträgern verboten zu küssen. In ganz Japan ist Küssen in der Öffentlichkeit untersagt, in Dubai, Indien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuala Lumpur, Malaysia oder Indonesien kann man sogar verhaftete werden, wenn man sich auf der Straße küsst oder Händchen hält. Obwohl es in unseren Breiten keine Gesetze gibt, die die Sache mit dem Küssen regelt, sind aber auch bei uns manche Küsse untersagt. Immer wieder kommt es vor, dass Menschen gegen ihren Willen geküsst werden, Kindern, Frauen und auch Männern. Sie werden dazu gezwungen, etwas gegen ihren ausdrücklichen Wunsch zu tun. Ich bin mir sicher, auch unter uns sind Menschen, die schon erlebt haben wie schrecklich es ist, geküsst zu werden, wenn man das nicht will. Häufig sind es Situationen, wo der „Stärkere“ seine Position ausnutzt und den „Schwächeren“ keinen eigenen Willen zuerkennt – ein „Nein“ wird nicht akzeptiert. „Das ist doch nur Spaß“… heißt dann häufig als Entschuldigung. Aber auch ein Spaß kann zu weit gehen.

Küsse können manchmal sehr spontan sein, häufig in Momenten größter Euphorie oder Freude, z.B. nach einem sportlichen Sieg oder einer gerade bestandenen Prüfung. Oft sind es diese Momente, in denen wir unter größter Anspannung standen. Plötzlich löst sich dann diese Anspannung und alles bricht aus einem raus. Man umarmt wildfremde Menschen und möchte im wahrsten Sinne des Wortes die ganze Welt küssen. Manchmal tun wir das auch, den einen oder anderen Fremdling umarmen oder küssen, einfach so. Umso erstaunlicher ist es, dass es Menschen in unserm Leben gibt, die uns sehr viel bedeuten, und die wir gerade deshalb niemals küssen.

Wie z.B. in dieser Geschichte: Zwei Menschen kennen sich gut. Sie haben zusammen gearbeitet, manchmal bis spät in die Nacht unter unglaublichsten Bedingungen. Nach über einem Jahr trennen sich ihre Wege. Sie stehen auf dem Flugplatz und müssen sich Lebwohl sagen. Sie sehen sich an, halten die Hände und können nicht loslassen. Es ist ein sehr besonderer Moment. Die Minuten vergehen. Eigentlich müssten die beiden sich jetzt küssen. Es scheint so unausweichlich. Wahrscheinlich werden sie sich nie wieder sehen, dass wissen beide. Und doch küssen sie sich nicht. Irgendwann lösen sich ihre Hände voneinander und beide gehen ihrer Wege. Was ist da passiert? Warum sind diese beiden ohne Kuss auseinander gegangen? Warum küssen wir manchmal Fremde Menschen ohne groß nachzudenken und die, die Menschen, die uns wichtig sind, nicht?

Vielleicht ist uns die Freundschaft oder tiefe Zuneigung, die uns mit diesem anderen Menschen verbindet einfach zu kostbar. Vielleicht sind wir uns auch nicht sicher, ob es bei einem reinen Freundschaftskuss bleiben würde. Vielleicht befürchtet wir, nur ein einziger Kuss könnte uns den Boden unter den Füßen wegziehen und uns jeden Halt nehmen… Nicht jeder Kuss, von dem man träumt geht in Erfüllung und manchmal ist es ganz gut so.

In der Poesie wird ein Kuss zwischen zwei Liebenden häufig so beschrieben: zwei Seelen treffen aufeinander und werden eins, Raum und Zeit verlieren sich, innerer Friede breitet sich aus, Vertrauen und Geborgenheit sind da, Wunschlosigkeit und vollkommenes Glück, als käme man nach einer langen Reise nach Hause. Das sind Küsse, die sich jeder wünscht.

Küssen ist bei uns Gott sei Dank nicht verboten. Niemand sagt uns, jetzt darfst du küssen, jetzt darfst du es nicht. Das müssen wir selber entscheiden. Aber ich vertraue darauf, dass man tief im Innern weiß, wann ein Kuss richtig ist oder nicht, wann ein Kuss zwingend erforderlich ist und wann nicht, welche Körperstellen geküsst werden und welche besser nicht. Unsere Bibel zeigt uns an vielen Stellen des alten und neuen Testamentes, dass ein Kuss etwas überaus Freundliches ist. Küsse gehören zu unserem Leben. Sie erfüllen unser Herz mit Freude. Durch einen Kuss wissen, wir jemand schätz uns, wir sind jemanden wichtig, wir sind nicht allein. Wir sind uns sicher, auch Jesus hat viel geküsst Menschen jeder Hautfarbe, jeden Alters, Kranke und Gesunde, schöne und hässliche Menschen, aus Freundschaft, Brüderlichkeit und Liebe. Und Sicherlich ist er, genauso wie wir manchmal, dabei in Bedrängnis geraten. Obwohl ein Kuss zu unseren größten Sehnsüchten zählt und wir fast jeder es gerne tut, dass Küssen, ist es nicht immer einfach, mit der Küsserei.

Anja Hillmann 

Beitrag von:Diakon Ingmar Everding